Informationen zur aktuellen Situation auf dem Energiemarkt und dem Zusammenhang mit regionalem Ökostrom

Die Schlagzeilen zum Energiemarkt, zu drohenden Versorgungsengpässe und Preisen in schwindelerregenden Höhen reißen nicht ab. Getrieben durch einen aus den Fugen geratenen Gasmarkt, steigen auch die Strompreise in nie dagewesenem Tempo und die Verunsicherung hinsichtlich Versorgungssicherheit und Preisentwicklung ist groß.

Auch uns erreichen in letzter Zeit vermehrt Nachfragen zu unseren Stromprodukten und dem Zusammenhang zwischen regionaler Ökostrom-Versorgung und einem durch fossile Preistreiber – allen voran Gas – explodierenden Strommarkt.
Wie kann es sein, dass vorausschauende Ökostrom-Kund*innen den Preis für teure internationale Gaseinkäufe bezahlen müssen – erst recht, wenn sie bewusst auf eine regionale Versorgung setzen?

Um das zu verstehen, müssen wir etwas tiefer in die komplexen Vorgänge des Strommarktes eintauchen, denn an diesen sind ausnahmslos alle Energieversorger gebunden – auch wir als regionaler Anbieter.

Wir hoffen, mit folgenden Informationen für mehr Klarheit und Verständnis für die aktuelle Situation und unser Handeln in diesen turbulenten Zeiten zu schaffen.

Preisbestimmend für den gesamtdeutschen Strommarkt sind die Preise, die an den europäischen Energiehandelsbörsen (EEX in Leipzig oder EPEX in Paris) gebildet werden. Dort treffen Energieanbieter – Kraftwerksbetreiber, Großhändler etc. – auf Energieabnehmer – meist Energieversorger oder auch Industriebetriebe, die ihre benötigten Strommengen direkt an der Börse einkaufen.

Das Angebot an der Börse sind Stromprodukte mit unterschiedlichsten Lauf- und Lieferzeiten: vom Energiekauf für die nächste Stunde bis hin zur Eindeckung mit Energie für die kommenden Jahre ist an den unterschiedlichen Handelsplätzen alles möglich. Preisorientierend sind dabei meist die zeitlich aktuellsten Produkte, die am sogenannten Day-Ahead-Markt gehandelt werden. Aus den aktuellen Day-Ahead-Werten, errechnet sich dann die Prognose für Einkäufe auf die Folgejahre. Das ist schlicht deshalb so, weil tagesaktuelle Bedingungen eine klarere Einschätzung der Lage ermöglichen, als eine vage Zukunftsprognose es könnte.

Die Preisbildung funktioniert erst einmal wie bei jedem Markt und ergibt sich aus Angebot und Nachfrage. Die Besonderheit des Strommarktes entsteht aus dem vorhandenen Strommix, sprich den unterschiedlichen Erzeugungsarten und der sogenannten Merit-Order = das letzte zur Deckung des Strombedarfs benötigte Kraftwerk, gibt den Preis für alle Erzeugungsarten vor.
Konkret bedeutet das: Durch unsere Leitungen fließt normalerweise ein Strommix aus Kohle-, Atom- Gas,- Wind-, Wasser-, Biomasse-, und Solar-Energie – je nach Jahres- und Tageszeit in unterschiedlichem Verhältnis. Dabei gilt: dasjenige Kraftwerk, das am günstigsten produziert, hat Einspeise-Vorrecht ins Stromnetz und darf seine produzierten Energiemengen in vollem Umfang einspeisen. Die Einspeise-Reihenfolge wird kostenaufsteigend beibehalten und weitere Kraftwerke hinzugeschaltet, bis der Strombedarf gedeckt ist.

In dieser Reihenfolge stehen als erstes die Erneuerbaren Energien. Leider reichen deren Kapazitäten aber immer noch in den allerwenigsten Jahresstunden aus, um den Bedarf vollständig zu decken. In der Merit Order werden dann zunächst meist Atom- und Kohlekraftwerke dazugeschaltet, weil sie aktuell günstiger produzieren als Gaskraftwerke und weniger flexibel agieren können, um die kontinuierlichen Schwankungen im Stromnetz auszugleichen. Hierfür eignen sich Gaskraftwerke besser: Durch schnelles Hoch- oder Runterfahren lässt sich mit ihnen die Erzeugung exakt auf das Verbrauchsniveau einpendeln.

Gaskraftwerke komplettieren die Einspeisereihenfolge und sind damit aktuell preisbestimmend für den gesamten Markt. So kommt es, dass sich der Preis für bestimmte Stromprodukte leider nicht nach dessen konkreter Quelle richtet; ob Strom aus günstigen erneuerbaren Energien stammt, oder über teurere fossile Energieträger erzeugt wird, ist für dessen Verkaufswert irrelevant. Den für alle Stromverkäufe gültigen Börsenpreis bestimmt die, zum jeweiligen Zeitpunkt, teuerste Energiequelle.

Die Gaskrise hat diesen Missstand am Strommarkt verdeutlicht und endlich eine politische Diskussion zur Notwendigkeit einer preislichen Entkopplung von fossiler und regenerativer Energie entfacht.

Dennoch bleibt die Frage: Regionah Energie kauft doch keinen Börsenstrom, sondern bezieht den Strom aus regionalen Erzeugungsanlagen. Warum wird ein regionales Stromprodukt teurer, auch wenn kein Stromkauf über die Börse erfolgt?

Die Verbindung zwischen unserem regionahen Ökostromprodukt und dem deutschlandweiten Strommarkt entsteht über die Erzeugungs-Anlagen, die den Strom für die Regionah Gemeinschaft (= Bilanzkreis der Regionah Energie) produzieren. Es handelt sich bei diesen Anlagen nicht um eigene Anlagen der Regionah Energie, sondern um Anlagen in Bürgerhand. Deren Strom kaufen wir ein, um ihn direkt an Endkund*innen in der Region zu liefern. Auch diese regionalen Anlagen nehmen am nationalen Strommarkt teil und orientieren sich in der Preisfindung an den marktüblichen Preisen.
Diese Marktkopplung begründet sich schlicht in einer fairen Marktwirtschaft, bei der weder Erzeuger noch Lieferant übervorteilt werden. Würden wir den Anlagenbetreibern mehr als den Marktwert bieten, wären wir mit unseren Tarifen nicht konkurrenzfähig; wollten wir den Strom günstiger einkaufen, würden sich viele Anlagenbetreiber nachvollziehbarerweise vermutlich einen anderen Abnehmer suchen.
Wir kaufen also für unseren regionahen Versorgungskreislauf keinen Strom an der Strombörse ein, sind aber durch die preisliche Marktorientierung der Erzeugungsanlagen von nationalen Preisentwicklungen und somit fossilen Preistreibern beeinflusst.
Da wir keine eigenen Anlagen betreiben, sondern ein regionales Netzwerk kleinerer Anlagen und die Selbstversorgung in der Region fördern, profitieren wir nicht von den enorm gestiegenen Marktpreisen. Im Gegenteil: Steigen die Preise am Strommarkt, steigen für uns auch die Strombeschaffungskosten.

Seit dem rasanten Anstieg der Stromkosten gehen wir verstärkt dazu über, mit regionalen Anlagenbetreibern langfristige Verträge mit marktunabhängiger Vergütung abzuschließen.                                                                                                                                                                                       
Vor der Preissteigerung und in einem stabilen Marktumfeld war ein solches Vorgehen weder für unsere Stromkund*innen noch für Anlagenbetreiber*innen von Vorteil. Sinnvoll ist eine marktunabhängige, feste Vergütung außerdem nur bei Anlagen, die ganzjährig eine zuverlässig gleichbleibende Energiemenge erzeugen und somit den Grundverbrauch der Regionah Gemeinschaft decken können.         
Durch diese teilweise Entkopplung vom Strommarkt mildern wir eine direkte Weitergabe der aktuellen Marktpreise an unsere Kund*innen so weit wie möglich ab und stellen uns zukunftssicher auf.

Folgende Grafik zeigt die Entwicklung der Strompreise an der Strombörse. Diese sind rasant gestiegen und haben insbesondere im August dramatische Spitzen erreicht. Die Preise beinhalten nur die reinen Strombeschaffungskosten. Steuern, Netzentgelte, Abgaben und Umlagen sind noch nicht enthalten.

Die Netzentgelte, Abgaben und Umlagen variieren je nach Netzgebiet und Stromprodukt (andere Netzentgelte bei Haushaltsstrom als bei Wärmestrom). Die folgenden Grafiken zeigen die Strompreiszusammensetzung von Arbeits- und Grundpreis im Netze BW Gebiet für Haushaltsstrom.             
Da die Netzentgelte, Abgaben und Umlagen jährlich variieren und jeweils Ende des Jahres für das Folgejahr von den Netzbetreibern kommuniziert werden, sind hier exemplarisch die Kostenbestandteile aus 2022 dargestellt.

Der Arbeitspreis besteht zu etwa einem Drittel aus Steuern, Abgaben und Umlagen. Dazu kommen die Netzentgelte. Rund die Hälfte des Arbeitspreises entfällt auf die Strombeschaffung und den Vertrieb. Dass wir aktuell bei unseren Bestandskunden noch mit vergleichsweise niedrigen Beschaffungskosten planen können, verdanken wir vorausschauendem Handeln und frühzeitig abgeschlossenen Lieferverträgen.

Um eine weitergehende Erhöhung des Arbeitspreises zu verhindern – der sich auf jede verbrauchte kWh auswirkt – haben wir uns entschlossen, einen guten Teil der Vertriebs- und Abwicklungskosten auf den Grundpreis zu verschieben. Infolgedessen ist der Grundpreis gestiegen, obwohl hier keine Beschaffungs-kosten enthalten sind. Neben den Vertriebs- und Abwicklungskosten sind im Grundpreis Netzentgelte und Messstellenkosten enthalten. Zusammen mit der Umsatzsteuer ergibt sich so der monatliche Gesamtpreis.